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zusammen sehen - Accrochage - 17. Februar bis 27. März 2021
Karoline Bröckel, Christian Frosch, Katharina Hinsberg, Linda Karshan, Anne Koskinen, Malte Spohr, Christiane Löhr, Barbara Camilla Tucholski, Wonkun Jun, Sebastian Rug, Bettina Blohm, Hanns Schimansky, Heinrich Küpper, Thomas Müller, Rozbeh Asmani, Danica Phelps, Christian Weihrauch, Maja Majer-Wallat, Klaus Mosettig

 

zusammen sehen
Papierarbeiten, Bilder und Objekte


Asmani, Blohm, Bröckel, Frosch, Hinsberg, Jun, Karshan, Koskinen, Küpper, Löhr, Majer-Wallat, Mosettig, Müller, Phelps, Rug, Schimansky, Spohr, Tucholski, Weihrauch

Der Besuch einer Einzelausstellung bietet die Möglichkeit, in das Universum einer einzelnen Künstlerpersönlichkeit einzutauchen, retrospektiv in das Gesamtwerk oder ganz aktuell in eine neue Werkgruppe.

Der Reiz einer Gruppenausstellung liegt dagegen im Mit- und Nebeneinander vieler verschiedener Kunstwerke. Gerade im vergleichen, im zusammen sehen, erschließen sich in der aktuellen Ausstellung den BetrachterInnen spezifische künstlerische Ausdrucksweisen besonders gut und gleichzeitig tauchen allgemeine Fragen auf. Welche Konzepte sind hinter den Werken? Welche Strategien werden bei der Umsetzung eingesetzt? Was bedeuten für die Bildfindung der Zufall, was die genaue Befolgung selbst verordneter Regeln? Wie bringen die KünstlerInnen Leere und Fülle in eine Balance?

Ich freue mich darauf, mit Ihnen gemeinsam Antworten auf diese und mehr Fragen in der Ausstellung zu finden.

Die Galerie ist aufgrund der neuen Corona Schutzverordnung leider bis voraussichtlich 7. März geschlossen. Ich hoffe, dass Sie die Gelegenheit bekommen, die Ausstellung danach zu besuchen.

Bis dahin möchte ich Sie auf einen Rundgang durch die Galerie mitnehmen.

Wenn man in den dritten Stock der Volksgartenstraße gestiegen ist, betritt man - meist etwas atemlos – einen kleinen Vorraum.

Als erstes fällt der Blick auf einen strahlend blauen Himmel, auf dem weiße Wolken dahinziehen. Mit dem Inbegriff einer heilen Welt möchte der Konzern Aral seine Produkte verbinden. Dafür hat er dieses Motiv vom Europäischen Patentamt schützen lassen. In der gerade durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe von der Klimakrise bedrohten Welt, offenbart Rozbeh Asmanis Siebdruck den Zynismus dieser Firmenstrategie.

Gegenüber bestimmen über 1000 leuchtend grüne und rote Linienbündel die Zeichnung von Danica Phelps. Sie sind mit den Umrisslinien zweier kleiner Gefäße verbunden, in die die gezeichneten Hände der Künstlerin einen Pinsel taucht. Vor unseren Augen malt Phelps eine rote Linie für jeden eingenommen und eine grüne Linie für jeden von der Künstlerin für ihre Arbeit ausgegebenen Dollar im durch und durch kapitalistischen System der USA.

Dazwischen behauptet sich eine kleine Farbstiftzeichnung. Drei Farb- und Bleistiftlinien treffen sich am oberen linken Bildrand bei der Silhouette eines Gebüschs. Bettina Blohm versetzt uns in die hügelige Landschaft um Callicoon, eine Kleinstadt am Rand von New York. Seit vielen Jahren zeichnet Blohm plein air, umgeben von der Landschaft, die sie auf ihre Elementarlinien reduziert.

Geht man in den lichten Galerieraum umgeben einen Papierarbeiten, die einen gemeinsamen Klang erzeugen.

Mit einer Vielzahl kleinster Zeichen, Linien und Schraffuren füllt Heinrich Küpper mit dem Bleistift den quadratischen Blattraum. Vor dem Auge der BetrachterInnen tauchen Noten, manchmal auch Schriftzeichen auf und verschwinden wieder.

Zahllose kleinste Striche verschränkt Sebastian Rug nebeneinander und ineinander zu feinsten Zeichnungsgeweben. Nur wer sich mit den Augen in sie hineinbegibt erfasst die Komplexität seiner Zeichnungen.

Karoline Bröckels Zeichnung ist von einer Vielzahl vertikaler Linie bestimmt, die das Blatt Zeile für Zeile neben und übereinander füllen. Die Arbeiten der Werkgruppe Aufzeichnung entstehen während sie über einen längeren Zeitraum immer wieder dieselbe Passage eines Musikstücks hört.

Wenn man durch die vom deckenhohe schmale Tür in den Nebenraum geht, fällt eine Gruppe kleiner Bronzen von Asmani auf. Es sind originalgetreue Abbildungen von Duplo, Leibniz Keks, Zwieback und Underberg, Repräsentanten einer bestimmten Zeit. Es sind Produkte, die für Firmen beim Europäischen Patentamt als dreidimensionale Formen geschützt sind.

Darüber ein altmeisterlich wirkender Kupferstich von Christian Weihrauch mit dem bescheidenen Titel: Reste. Ähnlich einer Wunderkammer ist eine Vielzahl von Objekten, mit geheimnisvoller Bedeutung aufgeladen, dargestellt.

Eine frontal betrachtet weiße Leinwand offenbart an den Bildrändern zahlreiche farbige Verlaufsspuren wasserdünner Acrylfarben. Sie wurden von Wonkun Jun in vierzig bis fünfzig Schichten übereinander gemalt, die dem Bild seine subtile Farbigkeit geben.

Katharina Hinsbergs kleiner Blattschnitt Ajoure und die große Papierarbeit aus der Serie Perceiden sind reinweiß. Nichts wurde auf die Oberfläche des Blattes aufgebracht. Die Zeichnung entsteht durch schneiden und bohren.

Eine Gruppe aktueller Blätter von Thomas Müller verweist auf sein zugleich malerisches wie zeichnerisches Können im kleinen Format.

Verlässt man diesen Raum und setzt den Rundgang fort, sieht man vier Arbeiten, die alle mit dem Abbild von Naturhaftem zu tun haben.

Christian Weihrauch hat einen Zweig und seine trockenen Blätter auf dunklem Grund im Atelier originalgetreu als Kupferstich festgehalten.

Die sechs Zeichnungsserie von Klaus Mosettig, der zum ersten Mal in der Galerie vertreten ist, beruhen auf einem zerbrochenen Dia. Er hat es 2019 an einem der griechischen Strände aufgenommen, an denen bis heute Flüchtende anlanden. In der für ihn typischen Technik hat er ins ins Blatt hineingezeichnet, es beinahe zerzeichnet.

Anne Koskinen hat ihre Eindrücke vom steinigen sommerlichen Ufer in Finnland aus dem Gedächtnis im Winter gezeichnet. Mit Goldstift auf grundiertem Papier erscheint die Landschaft geisterhaft aus dem Nebel der Erinnerung.

Malte Spohr fotografiert Licht und Schatten in der Natur. Am Computer verfremdet er seine Aufnahmen. Die davon inspirierte Zeichnung besteht ausschließlich aus horizontalen neben und über einander gezeichneten Linien.

Über dem großen weißen Grafikschrank im Zentrum des Raumes schweben drei der Natur entnommene gewachsene Linien mit Kapseln an beiden Enden. Das Mobile von Maja Majer-Wallat mit dem Titel Balance & System bewegt sich und lässt immer neue Raumzeichnungen entstehen.

Die Zeichnung von Thomas Müller von 1985 zieht den Blick durch gestisch aufgeladene breite schwarze Tuschelinien verstärkt durch ein auf collagiertes Element noch verstärkt auf sich.

Christian Frosch hat einen in schwarze Farbe getauchten Schwamm mit Wucht auf ein an der Wand hängendes Blatt geworfenen. Der kraftvolle Farbabdruck verweist auf das Zitat Leonardo da Vincis vom an die Wand geworfenen Schwamm, in dem man eine Landschaft sehen kann, wenn man will.

Auf der frei stehenden Wand befinden sich drei Zeichnungen in Petersburger Hängung.
Rechts eine große Zeichnung von Linda Karshan, ein beinahe Quadrat, zwei der Linie scharf am Blattrand entlang gezogen. Karshan hat im Rhythmus des eigenen Herzschlags in einem performanceartigen Akt gezeichnet.

Links davon eine Ölpastell- und darunter eine Bleistiftzeichnung von Christiane Löhr, die eine dunkel satt mit den Fingern ins Blatt gearbeitet, die andere mit feinem Bleistift präzise ins Blatt eingezeichnet.

Mit der Acrylzeichnung von Hanns Schimansky von 2020 schließt der Rundgang. Unter einem schweren dunklen Bereich im oberen Bereich des Blattes schweben scheinbar chaotisch einzelne miteinander korrespondierende Tuschelinien.

Der letzte Blick beim Verlassen der Galerie fällt auf eine Zeichnung, auf der zarte Bleistiftlinien architektonische Elemente wie eine Säule und verschiedene Türen miteinander verbinden. Beim genauen Hinschauen erkennt man den Galerieraum. Barbara Camilla Tucholski hat in einer serie von Zeichnungen 2008 den sie umgebenden Galerieraum gezeichnet und gleichzeitig die eigenen Blickbewegungen festgehalten.

 
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