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Karoline Bröckel
bewegt - 01. September bis 29. September 2018

 

In meinen Zeichnungen mache ich Dynamik sichtbar, Erlebtes erfährt unmittelbar eine Transformation und erscheint als Bewegungslinie oder Strichfeld auf dem Papier. Ich setze die Dynamik um, die ich in meiner alltäglichen Umgebung wahrnehme. Oft interessieren mich Bewegungen, die der Natur entstammen. Wie sieht der Weg aus, den eine Ameise sucht? Wie tropft der Regen aufs Pflaster? Wie fällt der Schnee vom Himmel? Oder wie bewegt der Wind die Äste einer Birke? Auch Musik, die ich im Radio höre, auf Konzerten erlebe oder im Studio anstelle, kann für mich zum Anlass einer Zeichnung werden. Was ich dabei wahrnehme, übersetze ich mit Hilfe der Zeichnung in meine eigene Sprache. Die Verwandlung meiner Wahrnehmung zur Line ist losgelöst von allen Regeln der Interpretation. (Karoline Bröckel)

Die Linien auf Karoline Bröckels Zeichnungen scheinen uns vertraut. Ihr Verlauf erinnert an Bewegungsabläufe, die wir als Kind mit größter Aufmerksamkeit und später als Erwachsene meist nebenbei wahrnehmen. Alle sind schon einmal mit den Augen dem Lauf einer Ameise gefolgt, ihrem unerklärlichen Hin und Her im Gelände oder dem gleitenden Fliegen von Schwalben am Himmel. Diese Bewegungen beobachtet Bröckel seit vielen Jahren beim Zeichnen und hält sie mit schwarzer Tinte im Fall der Schwalben und roter im Fall der Ameisen auf kleinformatigen Blättern fest. Die Linie beginnt inmitten des Blattes in dem Moment, in dem das Auge das Tier erfasst, und endet, wenn dessen Lauf oder Flug die Hand aus dem Blattraum führt.

In den Zeichnungen der Werkgruppe “Aufzeichnungen, überschrieben“ reagiert Bröckel auf kurze Musikstücke, die sie in endloser Wiederholung hört und in Strichfolgen umsetzt, im Falle der 110 x 148 cm großen Zeichnungen über mehrere Stunden an einem Tag.

Seit Beginn ihrer künstlerischen Arbeit entstehen Zeichnungen der Werkgruppe “Stapelstriche“. Anders als bei allen anderen Werkgruppen zeichnet Bröckel diese in stillen Augenblicken ohne jede äußere Anregung. Sie zeichnet Millimeter große Striche, einen oberhalb des anderen, ohne dass sie sich berühren. Diese Strichstapel werden zu Linien, die die meist vertikalen Blätter vom unteren bis zum oberen Bildrand durchziehen.

Karoline Bröckel wurde 1964 in Tübingen geboren, sie lebt und arbeitet in der Nähe Münchens. Ihre Zeichnungen waren Teil wichtiger institutioneller Zeichnungsausstellungen wie “Zeichnung als Prozess“ im Museum Folkwang Essen 2008, “Walk the Line“ im Kunstmuseum Wolfsburg 2015, “Zeichnungsräume“ in der Hamburger Kunsthalle 2016 und 2017 in “Die Linie ist Gedanke“ in der auf Zeichnung spezialisierten Galerie Stihl in Waiblingen.


 
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